Květa Pacovská (geb. 1928)

Ponctuation (Interpunktion/Zeichensetzung)

Paris: Èditions du Seuil, 2004
24 ungez. Bl., Ausschnitte, Mischtechnik
41 x29cm, Klappenbroschur, Pd. mit Ausstanzungen

Das Buch und seine Geschichte

Was für eine ungewöhnliche Idee: Ein Buch über die Satzzeichen! Es beginnt mit der “Besetzung“ des kleinen Stücks um die Damen und Herren Satzzeichen, die die Satzzeichenstadt (Ponctuationville) bevölkern. Dazu gibt es wieder einmal den Katzenkönig, den blauen Vogel, aber auch Herrn Punkt und Frau Klammer und die Herren Gedankenstrich in dreifacher Ausführung. So geht es weiter mit teils erklärenden Zeilen, aber keineswegs in belehrendem Tonfall. Es taucht Herr Palestrina auf, weil Gedankenstriche in der Musik ihre eigene Rolle haben.

 

So löst die Künstlerin den aufzählenden Fortgang auf in ein munteres Spiel mit Formen, ausgestanzten “Löchern“ oder mit einem bunten Strichwirrwarr. Der Betrachter streift durch die Seiten, angezogen von Formen, Farben und kurzen Textzeilen, die wiederum zum Raten anregen, zum Vor- und Zurückblättern, denn die Sprache, der diese Interpunktionserklärungen dienen, ist auch keine einfache Sache. Das fröhliche Chaos dieser Satzzeichenauftritte führt zum Fragezeichen in Gestalt eines Katzenkopfes mit einem in kräftigem schwarzen Strich gezeichneten, gebogenen Schwanz. “Ponctuation“ ist ein unbekümmertes Spiel mit durchaus sachlichem Bezug, in dem Kveta Pacovská auf die Imaginationskraft der Kinder vertraut, die ihrer Überzeugung nach mit allen Sinnen lesen und mehr aufnehmen als nur das, was sie sehen.

Kurzvita

Květa Pacovská, geboren 1928 in Prag, lebt und arbeitet in ihrem Geburtsort. Sie beschäftigt sich mit Konzeptkunst in Malerei, Grafik und Skulptur und gilt als Ausnahmekünstlerin im Bereich Kunst und Buch. Weltweit bekannt ist sie mit ihren Bilderbüchern geworden, die sie als eine Art Papierskulptur versteht.

 

Nach einem Studium an der Prager Akademie für Kunst, Architektur und Design beginnt sie bereits in den 50er Jahren Märchen- und Kinderbücher zu illustrieren. Mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 eröffnen sich neue Freiräume für ihre buchkünstlerische Arbeit. Sie findet Zugang zu den im Westen gebräuchlichen beschichteten Papieren und Kartons für Bilderbücher. Ihr erstes Projekt “Eins, fünf, viele“, 1990, ist zugleich ihr erstes Objektbuch für Kinder und markiert einen unübersehbaren Entwicklungsschritt der damals 62 jährigen Künstlerin.

 

Neben freien Arbeiten, z.B. großformatigen Ölbildern, Collagen, Objekten aus Pappe, Papier, Schnüren, Holz oder Metall gestaltet sie zahlreiche Buchprojekte als eine neuartige Form des Spielbuchs. Ihre buchkünstlerischen Arbeiten sieht Květa Pacovská als eine Art Papier-Architektur, in die man eintreten kann, um sie mit allen Sinnen zu erleben. „Meine Bilderbücher sind ein Zusammenspiel unterschiedlicher Leseweisen. Sie setzen jeweils eine andere Wahrnehmung des Raums, des Rhythmus, des Tastens oder der Farbe frei.“ Und: „Meine Malerei basiert keineswegs auf dem Verständnis, Texte auslegen oder bebildern zu wollen. Vielmehr arbeite ich auf der Grundlage der Bildenden Kunst.“ (Maximum Contrast, S. 148)

 

Pacovkás Arbeiten sind vielfach ausgestellt worden, darunter im Pariser Centre Pompidou, 2007, und  im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt/M., 2008. Ihre wichtigste Auszeichnung ist der Hans Christian Andersen Preis, 1992, einer der renommiertesten internationalen Preise für Kinder- und Jugendbücher, den die internationale Kinderbuch-Organisation IBBY alle zwei Jahre vergibt.

 

Über das KünstlerBilderBuch sagt die Künstlerin: „Das Bilderbuch ist die erste Galerie, die Kinder betreten.“

Literatur/Links

The Art of Květa Pacovská
Gossau-Zürich, Michael Neugebauer, 1993

 

Květa Pacovská, Ausstellungskatalog Palazzo Agostinelli,
Bassano del Grappa, 1999/2000

 

Květa Pacovská, Open Space
Paris: Fondation M. von Cronenbold 
Wabern: Benteli, 2001

 

Květa Pacovská, Maximum Contrast
Eva Lienhart (Hrsg.)
Katalog zur Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst. Frankfurt/M., Bargteheide: Michael Neugebauer, 2008

 

Květa Pacovská, Buchstabe
Maria Linsmann, Jens Thiele (Hrsg.)
Troisdorf: Bilderbuchmuseum Burg Wissem, 2010

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