Vladimir Lebedev (1891 - 1967)

Quand la Poésie jonglait avec l’image

Quatre livres de Samuel Marchak/ Vladimir Lebedev

Aus dem Russ. von Françoise Morvan

Nantes: Editions Memo, 2005

[38ç] Bl., farb. Illustr.

28,3 x 22 cm, Hln. farb. Einband

Mit einem Nachwort und einem Hinweis der Übersetzerin 

 


Enthält:

Le cirque (Der Zirkus), OA: Raduga, 1925

La glace (Das Eis), OA: Raduga, 1925

Hier et aujourd’hui (Gestern und heute), OA: Raduga,1925

Comment le rabot a fait un rabot (Wie ein Hobel einen Hobel herstellt), OA: Raduga, 1927

 

Amerikan. Ausgabe: New York: Abrams, 2013

Das Buch und seine Geschichte

Dieser sorgfältig edierte, französische Sammelband macht erstmals einem breiteren Publikum im Westen die Illustrationskunst des russischen Avantgardisten Lebedev bekannt. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Typographie, die ganz entscheidend zu seiner Bildgestaltung gehört, nur ansatzweise nachvollziehbar ist. Die kyrillische Schrift wird bei Lebedev zur eigenständigen Bildfigur und steht jeweils in Korrespondenz zu der vereinfachenden, flächigen Formensprache seiner Figuren.

 

Dennoch: die Bilder wirken in ihrer klaren Gestaltung abstrakt und realistisch zugleich. Der Künstler spiegelt offensichtlich in seinen Bildern die heiteren Nonsenseverse des Lyrikers Samuel Marchak, der mit lautmalenden Wortspielen z. B. im ersten Bilderbuch vom Zirkus das verblüffte Staunen eines jeden Besuchers aufleben lässt. Lebedev antwortet mit skurrilen Clownsfiguren, erstaunlichen Turnern oder einer ziemlich eleganten Seiltänzerin. Im Bilderbuch vom Eisessen geht es um einen korpulenten, kugelrunden Herrn mit Melone, dem das Eis so gut schmeckt, dass er schließlich selbst vereist, zum Schneemann wird und unter einer Schneedecke sein Ende findet. Lebedev variiert die Form der Eiskugel in der Figur des Mannes – Kopf, Bauch und Körper sind kugelrund - und entspricht mit seinem Spiel der Kreisformen Marchaks Versen.

 

Die beiden anderen Bände sind eher Sachthemen gewidmet, einmal geht es um den Fortschritt im alltäglichen Leben, das andere Mal um einen Hobel und andere Holzwerkzeuge. Auch bei diesen Illustrationen verblüfft die klare und dennoch subtile Gestaltung, die so viel Realität wie nötig zulässt, darüber hinaus jedoch ein optisches Spiel mit Formen und Farben entfacht.

Kurzvita

Vladimir Lebedev, geb.1891 in St. Petersburg, gestorben 1967 ebenda, gilt als einer der einflussreichsten russischen Plakatkünstler, Illustratoren und Maler vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit 19 Jahren bestreitet er bereits seine erste Ausstellung an der Hochschule für Bildende Kunst in St. Petersburg, wo er auch studiert. Seine künstlerische Tätigkeit beginnt mit Zeichnungen für satirische Magazine und für Kinderzeitschriften. Nach der Oktoberrevolution 1917 arbeitet er an den freien Kunstwerkstätten in seiner Heimatstadt, von 1920 bis 1922 in der Plakatabteilung der russischen Telegrafenagentur ROSTA. Dort gestaltet er etwa 500 Plakate, die mit ihrer einfachen, flächigen, vom Kubismus geprägten Grafik und der Verbindung von Schrift und Bild teils piktogrammartige Lösungen vorweg nehmen, große Aufmerksamkeit auslösen und stilbildend wirken. 

 

Lebedev verschreibt sich dem Ziel der sozialistischen Revolution, die Kunst aus dem bourgeoisen Raum zu befreien und der breiten, häufig ungebildeten Bevölkerung zugänglich zu machen. In dieser Zeit beginnt auch die Zusammenarbeit mit dem Lyriker Samuel Marchak (1887-1964), unter anderem für den privaten Kinderbuchverlag Raduga ( Rainbow, Regenbogen). Von 1924 bis 1933 arbeitet Lebedev als künstlerischer Leiter des russischen Staatsverlages GIZ. In den 30er Jahren gilt seine Kunst jedoch zunehmend als nicht mehr mit den Zielen des Stalinismus vereinbar und wird 1936 in der Prawda als Kleckserei verunglimpft. Lebedev, in den 20er Jahren als König des russischen Kinderbuchs verehrt, findet mit seiner Art der flächigen Vereinfachung viele Bewunderer und Nachahmer. Sein erklärtes Ziel, kreative Fähigkeiten von Kindern mit Hilfe anspruchsvoller, die Fantasie anregender Bilder zu fördern, verwirklicht er mit seiner für ein Bilderbuch ungewöhnlichen, plakativen Grafik und dem Ziel in Verbindung mit dem Text eine unlösliche Einheit  im Sinne eines Gesamtkunstwerks zu schaffen. So, wie Marchak mit der Sprache sucht Lebedev in seinen Bildern einen gemeinsamen Rhythmus von Raumaufteilung, Formen, Farben und Typographie zu schaffen.

 

Samuil Jakowlewitsch Marschak lebte von 1889 – 1964. Er war ein bekannter Autor von Kinderbüchern und Übersetzer.

Literatur/Links

Julian Rothenstein, Olga Budashevskaya (hrsg.):

Inside The Rainbow. Russian Children’s Literature 1920-35: Beautiful Books, Terrible Times.

London: Redstone Press, 2013

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