William Steig (1907 - 2003)

Roland the Minstrel Pig

New York: Windmill Books, 1968
23,5 x 30 cm, Ln., farb. Schutzumschlag
32 S., kol. Federzeichnung

"Art has the power to make any spot on earth the living center of the universe."
Das Buch und seine Geschichte

Dieses zweite Bilderbuch, das er im Alter von 60 Jahren zeichnet, hat Steig seiner kleinen Tochter Maggie gewidmet, die damals etwa zehn Jahre alt war. Es erzählt die alte Fabel von Schwein und Fuchs neu und macht daraus eine heiter-komische Bildergeschichte. Denn obgleich Steig auch einen die Handlung führenden Text und sogar Liedtexte erfindet, bleibt die Erzählform vor allem bildlich. Mit großen und kleinen Formaten, freigestellt oder beinahe die ganze Seite füllend, führt er den Betrachter seiner Bilderserie wie in einem Magazin. Steig vermeidet alles Formale – keine Bildrahmen, keine Gleichheit der Seitenaufteilung, wechselnde Anordnung und Form der Textblöcke – und erreicht damit den Eindruck äußerster Leichtigkeit.

 

Wir folgen dem musikalischen, singenden und Laute spielenden Schwein auf seinem Weg in die Welt und merken bald, dass der falsche Freund, der Fuchs, großen Appetit auf diesen wunderbar fetten Braten verspürt. Mehrfach trachtet der Fuchs dem Schwein nach dem Leben, was dieses in seiner gutmütigen, ganz der Musik hingegebenen Rundlichkeit freilich nicht merkt. Gerettet wird es vom König der Tiere, dem Löwen, der von der Musik verzaubert, Roland mit einem violetten Samtmantel bekleidet und mit der supreme medal of excellence in Form eines goldenen Apfels mit Lorbeerblättern auszeichnet. Ende gut, alles gut – mit der Zeichnung eines ebenso stolzen wie von sich selbst überzeugten Schweins vor einem mit Gold gerahmten, barocken Standspiegel.

Kurzvita

William Steig, geboren 1907 in Brooklyn, New York, gestorben 2003 in Boston, vom Newsweek Magazine 1995 zum König des Cartoons gekürt, wird seit dem Ende der 60er Jahre auch mit vielfach ausgezeichneten Bilder- und Kinderbüchern bekannt.

 

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen als Sohn polnischer Immigranten in der Bronx, lernt er von 1925 bis 1929 Zeichnen an der National Academy of Graphic and Design in New York. Bereits 1930 kann er einen ersten Cartoon beim New Yorker unterbringen. Bis zu seinem Tod hat er mehr als 1600 Cartoons und etwa 120 Titelblätter für das bis heute angesehene, intellektuelle Stadtmagazin gezeichnet. John Updike sagte über ihn, dass seine Cartoons nicht nur einen Scherz visualisieren, sondern uns dazu bringen, über die Natur der Realität, die uns umgibt, nachzudenken.
Steig entwickelt in den 30er Jahren seinen Stil der vielschichtigen Zeichnung, die humorvoll, gelegentlich auch ironisch-bissig, Seelenzustände und Emotionen veranschaulicht und für viele nachfolgende Zeichner zum Vorbild wurde.
Seit Ende der 1930er Jahre veröffentlicht er eine Reihe von Cartoonbänden, ehe er sich mit bereits 60 Jahren eher zufällig dem Bilderbuch zuwendet und seither über 30 Titel herausbringt. Weltweit wird er bekannt durch den animierten 3D-Film und in der Folge einer Serie von Computerspielen nach seinem Bilderbuch Shrek!, 1990.

 

Steig sagt von sich, er habe stets eine enge Bindung zu dem Kind in sich gehabt, und auch viele seiner frühen Cartoons beziehen Kinder mit ein. Seine besondere Bewunderung gilt Pablo Picasso, den er einmal wie folgt zitiert: “All children are artists. The problem is how to remain an artist once we grow up.“ Dass Steig seine Bilderbücher als Teil seiner Kunst versteht, macht folgendes Zitat aus seiner Rede anlässlich der Auszeichnung mit der Caldecott Medal für “Sylvester and the Magic Pebble“,1969, deutlich: Art has the power to make any spot on earth the living center of the universe.” 

Literatur/Links

Und dann fange ich an, Unfug zu treiben.

William Steig zum 90.

Hildesheim: Gerstenberg, 1997

 


Claudia J. Nahson: The Art of William Steig,

Jewish Museum, New York, 2007

New Haven and London: Yale University Press, 2007

 


Lee Lorenz, The World of William Steig,

Introduction by John Updike

New York: Artisan, 1998

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