Art Spiegelman (geb. 1948)

Schlag mich auf... – Ich bin ein Hund!

Deutsch von Nikolaus Thomas

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt,1997

[16] Bl., durchgehend farbig ill.

18,5 x 13 cm, Pd, Innendeckel und Vorsatz aus samtartigem Material, ebenso die eingeklebte Tierfigur;

mit einer schwarzen, aus dem Bund heraushängenden Schlaufe und einer dreidimensional aufklappbaren Seite

Mit eingedruckter Widmung: für Dash und Nadja

 

OA: Open me... I’m a Dog

New York, Harper Collins 1997

Art Spiegelman beschreibt seine Arbeit als "writing with a picture"
Das Buch und seine Geschichte

Traum oder Wirklichkeit? Das kleinformatige Buch behauptet, ein Hund zu sein. Man sieht die Leine, die als echte Schlaufe aus dem Bundsteg hängt, und das gemalte Porträt des Tieres mit Knopfaugen und Stummelschwanz auf dem Umschlag. Kaum aufgeschlagen, fühlt man die samtige Vliesoberfläche von Innendeckel und Vorsatzblatt. Zwei Seiten weiter falten sich Schwanz und Hinterteil des die Doppelseite füllenden, in einfachen Umrisslinien gezeichneten Hundes auf. Anschließend erzählen die Bilder von seiner Verzauberung in einen Schäfer, eine Riesenkröte und schließlich in das Buch. Auf dem Schoß des Jungen, der diese Geschichte liest, sitzt plötzlich der Hund, eingeklebt aus dem gleichen rostroten Vliesstoff wie beim Vorsatzpapier. Die letzte Seite zeigt den Hund zwischen Büchern mit folgendem Text: Wenn ich Dein Hund sein darf, erzähle ich Dir meine Geschichte, wann immer du willst!

 

Art Spiegelman spielt mit den verschiedenen Genres des Bilderbuchs: Spielzeug, Pop-up-Buch, Fantasiegeschichte. Und zugleich spielt er mit der Fantasie der kleinen Leser, die natürlich sehen, dass dies ein Buch ist, aber vielleicht doch eine klitzekleine Zauberei enthält? Auch stilistisch wechselt er die Mittel. Die Geschichte, die der Hund von seiner Verzauberung erzählt, erinnert an klassische Bilderbuchmalerei, das Werben des Hundes um die Gunst, also die Einbildungskraft des Jungen, ist durch einen eher realistischen Zeichenstil gekennzeichnet. Gemeinsam ist allen Bildern ein humorvoller Unterton mit winzigen Details. Denkbar ist, dass Spiegelman, der das Buch seinen Kindern Nadja und Dashiel gewidmet hat, mit diesem Buch dem ganz realen Wunsch seiner Kinder ausgewichen ist.

Kurzvita

Art Spiegelman, geboren 1948 in Stockholm als Sohn polnischer Ausschwitz-Überlebender, gilt als einer der berühmtesten Comic-Zeichner und -Kenner unserer Zeit.

In New York aufgewachsen, besucht er dort zunächst die High School of Art and Design. Mit 16 Jahren beginnt er zu zeichnen und studiert am Harpur College (Binghampton University) Kunst und Philosophie. Mit seinem Comic „Maus. A Surviver’sTale“, der Geschichte seiner Eltern, dessen erster Band 1986 erstmals in Buchform erscheint, wird er weltberühmt. Als bisher erster und einziger Comic-Zeichner erhält er 1992 den hoch angesehenen Pulitzer Preis, nachdem 1991 der zweite Band von „Maus“ erschienen ist. Anfang der 80er Jahre gründet er zusammen mit seiner Frau Françoise Mouly das avantgardistische Comic-Magazin „Raw“, in dem zunächst auch „Maus“ in mehreren Folgen erscheint.

Mit seinem großformatigen Comic „In the Shadow of no Towers“, in dem er seine Erlebnisse im Zusammenhang mit den Attentaten auf das World Trade Center im Süden von Manhattan vom 11. September 2001 verarbeitet, stellt er einmal mehr seine Meisterschaft in diesem Genre unter Beweis. Spiegelman sagt von sich, dass er Lesen durch und mit Comics gelernt habe und sieht in den vor allem durch Zeitungen weit verbreiteten Strips einen fundamentalen Beitrag zur Alltagskultur Amerikas. Seine Arbeit sei „writing with a picture“. 2013 widmet das Kölner Museum Ludwig dem Künstler eine umfangreiche Retrospektive, die zuvor in der französischen Stadt Angoulème und im Centre Pompidou, Paris zu sehen war.

Literatur/Links

Art Spiegelman, Maus. Die Geschichte eines Überlebenden,

Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1993 (OA: A Surviver’s Tale, 1986)

 

Art Spiegelman: Im Schatten keiner Türme, Zürich: Atrium, 2011 (OA: In the Shadow of No Towers, 2004)

 

Art Spiegelman, Meta-Maus, New York: Pantheon, 2011,

dt. Ausgabe: Frankfurt /Main: S. Fischer, 2012

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