Leo Lionni (1910 - 1999)

Stück für Stück

Deutsch von James Krüss, Köln: Gertraud Middelhauve, 1962, 7.A. 1985

[14] Bl., Collage, bemalte Papiere, Mischtechnik, Pastellkreide

28,3 x 23,8 cm, farb. Pd

 

OA: Inch by Inch, New York: Obolonsky, 1960

“Es ist so, dass ich in Wahrheit überhaupt keine Bücher für Kinder mache. Ich mache Bücher für den Teil in uns, der sich nicht geändert hat, der noch kindlich ist.”
Das Buch und seine Geschichte

Schon mit seinem zweiten Bilderbuch legt Lionni den Grundstein für das Gestaltungsprinzip seiner Bilderbücher. In einfach strukturierten Bildern und mit kurzen Textzeilen erzählt er eine einfache Geschichte in der Art einer Tierfabel. Eine kleine Raupe wehrt sich gegen den Appetit der Vögel mit ihrem Hinweis, sie könne ihnen nützlich sein, denn sie könne alles „inch by inch“ messen, Schnabel, Beine oder Schwanz. Als die Nachtigall fordert, die Raupe solle ihr Lied vermessen, hat diese die rettende Idee. Während die Nachtigall singt, kriecht sie Gräser und Blätterstiele entlang, bis sie „Stück für Stück den Blicken entschwand.“

 

Lionni gestaltet den weiten Bildraum, den die Doppelseiten ihm jeweils bieten, mit nur wenigen, einfach konturierten, bemalten und dann geschnittenen Collage-Elementen, z.B. den dominanten, geschwungenen Hals eines Flamingos, den kräftig farbigen Kopf und Schnabel des Tukans oder die Beine eines Reihers, dessen spitzer, gelber Schnabel sich der kleinen Raupe gefährlich nähert. Gegen Ende hin breitet Lionni  von Seite zu Seite eine dichte Wiesenlandschaft aus, die der Raupe Schutz gibt und ihre Rettung auch in der Bildgestaltung veranschaulicht. 

Kurzvita

Leo Lionni, geboren 1910 in Amsterdam, gestorben 1999 in Radda / Chianti, Italien, als vielfach ausgezeichneter Grafik-Designer, Maler, Bildhauer und international anerkannter Bilderbuchkünstler.

 

Von Jugend an widmet sich Lionni dem Zeichnen und Malen, erhält jedoch nie eine künstlerische Ausbildung. 1925 zieht die Familie nach Genua. Dort besucht er eine technische Oberschule, um anschließend Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Das Studium schließt er 1935 mit einer Promotion ab. Seit 1931 in Mailand im Umkreis der italienischen Künstlergruppe der Futuristen lebend, arbeitet er auch als Maler, Fotograf und Werbegrafiker. 1939 wandert er in die USA aus und lebt seit 1941 als Art Director in Philadelphia. 1947 kann er in einer ersten Einzelausstellung seine Bilder in New York zeigen. Von 1949 bis 1960 arbeitet er dort als Art Director des Fortune-Magazine, Mitherausgeber des Print-Magazins und im eigenen Studio.

 

Lionni sieht sich von Anfang an als Künstler/Designer und bezieht als einer der ersten Bildende Künstler in die Werbegrafik ein, mit denen er oft freundschaftlichen Kontakt pflegt. Besonders fühlt er sich den Ideen des Bauhauses verbunden und sieht grafisches Design als integralen und bedeutenden Bestandteil der Kunst.

 

Seit 1962 lebt er bis zu seinem Tod vor allem in Italien. Neben seiner Arbeit als Bildhauer und Maler widmet er sich fortan besonders Bilderbüchern, für die er auch die Texte selbst schreibt. „Geschichten erzählen war das Wesentliche meines Stils“, schreibt er in seiner Autobiographie und bezieht diese Feststellung nicht nur auf seine Bücher. In einer Rede in der Library of Congress in Washington erklärt er „...like all fiction, illustrated children’s books are inevitably autobiography.“ Und: „Like Swimmy, the creator of picture books for children has the responsibility to see for the others. He has the power and hence the mission to reveal beauty and meaning. A good picture book should have both.“

Literatur/Links

Leo Lionni, Zwischen Zeiten und Welten. Autobiographie München: Middelhauve 1998, OA: Between Worlds, New York: A. Knopf, Inc.,1997


Steven Heller, Many Things to Many People, in: Leo Lionni at the Library of Congress, Washington, Library of Congress,1993

Leo Lionni, Me as in Mouse,in. Leo Lionni at the Library of Congress, 1993

Leo Lionni, Before Images, in: The Horn Book Magazine, Nov./Dec. 1984


Leo Lionni, L’immaginario come mestiere (etwa: Fantasie als Beruf) Milano: Electa, 1990

(Ausstellungskatalog, Bologna, Galleria d’Arte Moderna, 1990)

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