Leo Lionni (1910 - 1999)

Swimmy

Deutsch von James Krüss
Köln: Gertraud Middelhauve, 1964
[16] Bl., Abklatschtechnik
28 x 22,5 cm, Pd., farb.

 

OA: Swimmy, New York: Pantheon, 1963

Das Buch und seine Geschichte

Mit seinem vierten Bilderbuch wendet sich Lionni erneut einer anderen Technik zu. Hier dominiert die Abklatschtechnik, die die Vorstellung von bewegtem Wasser und verschwommenen Formen besonders gut veranschaulicht. Diese „erste richtige Fabel“, wie Lionni selbst sagt, die bereits das Grundmuster aller seiner späteren Bilderbücher aufweise, beeindruckt durch ihre klare Struktur des narrativen Konzepts der Verbindung von Bildern und Text.

 

Als die kleinen, roten Fische von räuberischen, großen Fischen gefressen werden, schwimmt Swimmy, der kleine, schwarze Fisch, allein durch das weite Meer. Er begegnet unter anderem einer Qualle, einem Hummer, einem Aal, bis er schließlich wiederum auf einen Schwarm kleiner, roter Fische trifft. Damit sie nicht auch gefressen werden, schlägt er ihnen vor, in der Form eines großen Fischkörpers zu schwimmen. Er selbst bildet das (schwarze) Auge. Diese kleine Geschichte lässt sich auf verschiedene Arten verstehen. „Gemeinsam sind wir stark“ ist nur eine Lesart. Lionni sieht in „Swimmy“ eine Art alter ego. „Er hat das Bild des großen Fisches im Geiste vor sich gesehen. Das war die Gabe, die er erhalten hatte: zu sehen.“

Kurzvita

Leo Lionni, geboren 1910 in Amsterdam, gestorben 1999 in Radda / Chianti, Italien, als vielfach ausgezeichneter Grafik-Designer, Maler, Bildhauer und international anerkannter Bilderbuchkünstler.

 

Von Jugend an widmet sich Lionni dem Zeichnen und Malen, erhält jedoch nie eine künstlerische Ausbildung. 1925 zieht die Familie nach Genua. Dort besucht er eine technische Oberschule, um anschließend Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Das Studium schließt er 1935 mit einer Promotion ab. Seit 1931 in Mailand im Umkreis der italienischen Künstlergruppe der Futuristen lebend, arbeitet er auch als Maler, Fotograf und Werbegrafiker. 1939 wandert er in die USA aus und lebt seit 1941 als Art Director in Philadelphia. 1947 kann er in einer ersten Einzelausstellung seine Bilder in New York zeigen. Von 1949 bis 1960 arbeitet er dort als Art Director des Fortune-Magazine, Mitherausgeber des Print-Magazins und im eigenen Studio.

 

Lionni sieht sich von Anfang an als Künstler/Designer und bezieht als einer der ersten Bildende Künstler in die Werbegrafik ein, mit denen er oft freundschaftlichen Kontakt pflegt. Besonders fühlt er sich den Ideen des Bauhauses verbunden und sieht grafisches Design als integralen und bedeutenden Bestandteil der Kunst.

 

Seit 1962 lebt er bis zu seinem Tod vor allem in Italien. Neben seiner Arbeit als Bildhauer und Maler widmet er sich fortan besonders Bilderbüchern, für die er auch die Texte selbst schreibt. „Geschichten erzählen war das Wesentliche meines Stils“, schreibt er in seiner Autobiographie und bezieht diese Feststellung nicht nur auf seine Bücher. In einer Rede in der Library of Congress in Washington erklärt er „...like all fiction, illustrated children’s books are inevitably autobiography.“ Und: „Like Swimmy, the creator of picture books for children has the responsibility to see for the others. He has the power and hence the mission to reveal beauty and meaning. A good picture book should have both.“

Literatur/Links

Leo Lionni, Zwischen Zeiten und Welten. Autobiographie München: Middelhauve 1998, OA: Between Worlds, New York: A. Knopf, Inc.,1997


Steven Heller, Many Things to Many People, in: Leo Lionni at the Library of Congress, Washington 1993

 

Leo Lionni, Before Images, in: The Horn Book Magazine, Nov./Dec. 1984


Leo Lionni, L’immaginario come mestiere (etwa: Fantasie als Beruf) Milano: Electa, 1990

(Ausstellungskatalog, Bologna, Galleria d’Arte Moderna, 1990)

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