Peter Sís (geb.1949)

Tibet. Das Geheimnis der roten Schachtel

München: Hanser, 1998
[30] Bl., kol. Federzeichnung
28,5 x 27,5 cm, Pd.

OA: Tibet. Through the Red Box
New York: Farrar, Straus & Giroux, 1998

„Vom Sohn für den Vater, vom Vater für den Sohn“ (Widmung)
Das Buch und seine Geschichte

Auch in diesem großformatigen, umfangreichen Bilderbuch beschäftigt sich der Autor und Zeichner mit seiner eigenen Geschichte. Die oben zitierte Widmung auf der Impressumsseite macht dies deutlich und stimmt das zugrundeliegende Motiv der Geschichte an. Der Vater des Erzählers, ein Dokumentarfilmer i kommunistischen Prag,  hinterlässt dem Sohn eine rote Schachtel mit seinen Tagebuchaufzeichnungen. Darin schildert er Filmaufnahmen im Himalaya im Auftrag der tschechischen Armee. Es geht um den ebenso aufwendigen wie gefährlichen Straßenbau als Verbindung nach China, der die Besetzung Tibets vorbereiten soll – dies bleibt allerdings lange ein Geheimnis. Durch eine Gerölllawine vom Bautrupp getrennt, kann der Vater sich mit einigen Begleitern nach Lhasa durchschlagen und den damals 20jährigen Dalai-Lama warnen. Die Ereignisse dieser abenteuerlichen Reise werden mit vielen realen und imaginierten Details geschildert. Mit Fundstücken, Skizzen, Karten, Fantasielandschaften und fiktiven Tagebuchtexten lässt Sis eine fantastische Welt entstehen, die den Leser mit der Kultur Tibets vertraut macht und ihn zugleich eine magische Atmosphäre spüren lässt. Sis’ unverwechselbare Art, in seinen Zeichnungen Dokumente mit fantastischen Motiven zu verbinden, sie übereinander zu legen oder ineinander fließen zu lassen, erzeugt eine komplexe Glaubwürdigkeit - auch des Magischen. 

Kurzvita

Peter Sís, geboren 1949 in Brünn, Tschechien, lebt als international bewunderter Illustrator, Grafiker, Autor  und Gestalter von Trickfilmen nördlich von New York City.

 

Sís wächst im kommunistischen Prag in einem Künstlerhaushalt auf, studiert von 1968 bis 1974 an der Kunstgewerbeschule in Prag Filmgrafik und gestaltet anschließend eine Reihe von Trickfilmen, die große Aufmerksamkeit erzielen. Nach seiner Teilnahme am Trickfilmfestival in Los Angeles kehrt er 1982 nicht nach Prag zurück. Seit 1984 lebt er in New York und bestreitet seinen Lebensunterhalt zunächst mit Illustrationsaufträgen für Zeitungen wie die New York Times, die Washington Post und Zeitschriften wie Time Magazine, Forbes oder Newsweek. Erste Bilderbücher erscheinen. Mit The Three Golden Keys, seinem Erinnerungsbuch an seine Heimatstadt Prag für seine kleine Tochter Madeleine gelingt ihm 1994 der Durchbruch als Kinderbuchautor und –illustrator. Insgesamt hat er mehr als 60 Kinderbücher illustriert, die in über 20 Sprachen übersetzt werden. Für viele von ihnen schreibt er auch die Texte und entwickelt seine viel bewunderte Art der Erzählung mit Bildern und Text.

 

Seit längerem fühlt sich Peter Sís auch dem Großformat verbunden. Er gestaltet Wandbilder und Mosaike für öffentliche Gebäude, darunter ein Mosaikbild für eine New Yorker U-Bahnstation (86th Street). Zuletzt sind Wandteppiche zum Thema Menschenrechte entstanden für Art for Amnesty, die im Winter 2017/18 im Civil Rights Institute in Birmingham, Alabama, in einer Ausstellung gezeigt werden.

 

Peter Sís wird mit vielen Auszeichnungen geehrt, zunächst für einzelne Bücher, darunter auch 1999 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für "Tibet – Das Geheimnis der roten Schachtel". 2003 erhält er das in den USA hoch angesehene Stipendium MacArthur Fellowship einer Stiftung, die jährlich Kreative und Wissenschaftler auszeichnet. Schließlich erlangt er mit der Hans-Christian-Andersen-Medaille, die IBBY, die weltweit tätige internationale Kinderbuchorganisation, ihm im Jahre 2013 verleiht, große internationale Anerkennung. Zuletzt ehrten ihn das Eric Carle Museum in Amhurst, Illinois, mit der Retrospektive "The Picture Book Odyssey of Peter Sís", 2019 und das Prager DOX Art Center mit der Ausstellung "On Flying and other Dreams" 2019/20.

Literatur/Links

 

www.riverarts.org, darin: Peter Sís interview, march 2015

 

www.printmag.com/daily-heller/peter-sis-tapestries

 

Constance Vidor, Peter Sís. Artist of Freedom,
In: Bookbird, Vol. 50, No.4, 2012

 

Barbara Scharioth, Peter Sís, A Quest for a Life in Truth,
In: Bookbird, Vol. 47, No.3, 2009

 

Peter Sís, My Life with Censorship,
In: Bookbird, Vol.47, No.3, 2009

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