Friedrich Karl Waechter (1937 - 2005)

Wer kommt mit auf die Lofoten?

Mein Reiseheft, 1974

Für Ute, Moritz, Robert und Philip

Hamburg: VSA, 1981

32 S., handschr. Text, kol. Federzeichnung, Collagen 21 x14,5 cm, Pd.

"Ich schreibe und zeichne für alle, die mal fünf waren, noch Erinnerung daran haben und gerne neunundneunzig werden wollen."
Das Buch und seine Geschichte

Wie ein Schulheft kommt dieses kleine Buch daher mit seinem jedermann vertrauten Format und seinem schwarzen Umschlag. Allerdings ziert das für den Namen vorgesehene Etikett eine kleine Zeichnung samt Buchtitel und Name des Autors. Der rückwärtige Buchdeckel gibt einen Briefumschlag wieder mit Briefmarken, Poststempel, Anschrift und Absender.

 

Auf liniertem Papier geschrieben, schildert Waechter in 16 Kapiteln was ihm unterwegs auf seiner Reise begegnet, was er beobachtet, worüber er nachdenkt. So erklärt er die ungewohnte, nächtliche Helligkeit, die Gezeiten, Vulkane und Fjorde. Dazu zeichnet er Skizzen, klebt Fotos ein, schreibt um kleine Bildchen herum, zeichnet die Landschaft oder sich selbst an seinem „Tuschtisch“, von dem aus der Blick aus dem Fenster eine Bucht freigibt. Immer wieder erzählt er vom Angeln und der erstaunlichen Landschaft, der er gegen Ende auf einer Doppelseite eine Art topographische Karte widmet, nicht ohne die Plätze, an denen er die besten Fische geangelt hat, zu verzeichnen.

 

Waechter gelingt ein Ton der Schilderung in Wort und Bild, der, stets persönlich gehalten, immer die Kinder und ihre Vorstellungskraft mit bedenkt. Diese Haltung entspricht seinen Büchern dieser Jahre und seiner Vorstellung von kindlicher Autonomie, die es unbedingt zu würdigen und zu verteidigen gilt. Sein Reisetagebuch endet mit der Frage: “Wer kommt nächstes Jahr mit auf die Lofoten?“ Darunter haben die drei Jungen ihren Namen gesetzt.

Kurzvita

Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, gestorben 2005 in Frankfurt/Main, hat sich als Zeichner, Karikaturist und Cartoonist, Autor von Theaterstücken und Bilderbüchern einen Namen gemacht. Zusammen mit anderen Künstlern, darunter Robert Gernhardt und F.W.Bernstein, bildete er in den 1960er Jahren die Gruppe Neue Frankfurter Schule, die eine eigene Kultur der politischen Karikatur, des satirischen Cartoons und der unterhaltenden Nonsens-Zeichnung erfand.


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kommt Waechter mit seiner Familie in den Westen. Er zeichnet auf Feldpostpapier, später in Schulhefte, die eigenen und die seiner Freunde. Er besucht die Kunstschule Alsterdamm in Hamburg, arbeitet als Gebrauchsgrafiker bis er 1962 Chefgrafiker bei dem Satiremagazin Pardon wird. Er zeichnet für Twen, Titanic, das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit und veröffentlicht Cartoon-Bücher für Erwachsene und Bilderbücher.

 

F. K. Waechter nennt Wilhelm Busch und Saul Steinberg als seine großen Vorbilder. Sein zeichnerisches Werk umfasst etwa 34oo Arbeiten. Es befindet sich zusammen mit dem gesamten Nachlass im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover.

 

Sein erstes Kinderbuch, Der Anti-Struwwelpeter, erscheint 1970 und ist geprägt von antiautoritären Strömungen in der Nachfolge der Studentenrevolution von 1968. Wie dieses Buch entstehen viele seiner frühen Kinder- und Bilderbücher im Kontext der Kinderladenbewegung. Häufig enthalten sie Spielanleitungen und Anregungen zum selbst bestimmten, vergnüglichen Spiel. Seine späteren großformatigen Bilderbücher wenden sich an Leser jeden Alters. Sie entstehen nach einer längeren Pause, in der er vor allem als Theaterautor und –regisseur arbeitet.

 

F.K.Waechter wird von gleichaltrigen wie jüngeren Zeichnern als eine Art zeichnender Philosoph beschrieben, als Erzähler, der Bild und Text als gleichbedeutendes Medium ansieht. So bewundert Tomi Ungerer beispielsweise F.K.Waechter, den Erzähler für Kinder und Erwachsene, der „mit Wort und Linie scharf und sanft“ zugleich sei.

 

 

Literatur/Links

Profil auf Wikiwand

 

F.K.Waechter, Manchmal „nicht ganz fertig“Werkstattgespräch. Jahresgabe 2002. Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung, Frankfurt/M.

 

Waechters künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch, Hannover

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